Wenn der Rhabarber im Frühling seine ersten roten Stiele aus der Erde schiebt, ist es Zeit für einen Klassiker, der auf keiner Kaffeetafel fehlen darf: Rhabarber-Streuselkuchen. Der April bringt nicht nur die erste Ernte, sondern auch die beste Gelegenheit, diesen Kuchen in einer Version zu backen, die alle bisherigen Versuche in den Schatten stellt. Das Geheimnis liegt nicht in einem exotischen Zutat, sondern in einem simplen Milchprodukt, das die meisten von uns ohnehin im Kühlschrank haben: Buttermilch.
Buttermilch verändert den Teig auf eine Art, die man erst verstehen muss, um sie zu schätzen. Ihre leichte Säure reagiert mit dem Backpulver, erzeugt feine Gasbläschen und sorgt gleichzeitig dafür, dass der Teig auch nach dem Backen feucht und zart bleibt – selbst am nächsten Tag, wenn ein gewöhnlicher Kuchen längst ausgetrocknet wäre. Kombiniert mit der fruchtigen Säure des Rhabarbers und einer buttrigen Streuselkruste entsteht ein Geschmacksprofil, das süß, herb und knusprig zugleich ist. Wer diesen Teig einmal mit Buttermilch angesetzt hat, kehrt zur klassischen Variante nicht mehr zurück.
| Vorbereitungszeit | 25 Min. |
| Backzeit | 45–50 Min. |
| Abkühlzeit | 30 Min. |
| Haltbarkeit | 3 Tage, luftdicht aufbewahrt |
| Schwierigkeitsgrad | Anfänger |
| Empfohlene Saison | Frühling (April – Juni) |
Zutaten für den Rührteig mit Buttermilch
- 250 ml Buttermilch (Zimmertemperatur)
- 200 g Weizenmehl Type 405
- 150 g Zucker
- 120 g weiche Butter (kein Margarine-Ersatz)
- 2 Eier (Größe M, Zimmertemperatur)
- 1 Päckchen Backpulver (15 g)
- 1 Prise Salz
- 1 TL Vanilleextrakt oder Mark einer Vanilleschote
Zutaten für den Rhabarber-Belag
- 600 g frischer Rhabarber (möglichst rote Sorten wie „Holsteiner Blut“ oder „Frambozen Rood“ für mehr Farbe und milderen Geschmack)
- 2 EL Zucker zum Vorziehen
Zutaten für die Streusel
- 200 g Weizenmehl Type 405
- 120 g kalte Butter (in Würfeln)
- 100 g Zucker
- 1 Prise Zimt (optional, aber empfohlen)
Benötigtes Werkzeug
- Handrührgerät oder Standmixer
- Zwei Rührschüsseln (eine für Teig, eine für Streusel)
- Backform 30 × 20 cm oder rundes Springform-Ø 26 cm
- Backpapier
- Schälmesser und Schneidebrett
- Küchenwaage
- Sieb zum Mehlsieben
- Messbecher
Zubereitung
1. Rhabarber vorbereiten und ziehen lassen
Den Rhabarber waschen, die Enden abschneiden und die Fäden abziehen – wie beim Stangensellerie zieht man die holzigen Fasern einfach von der Schnittkante her ab. Anschließend die Stangen in Stücke von etwa 1–2 cm Länge schneiden. Die Stücke in eine Schüssel geben, mit 2 EL Zucker bestreuen, leicht durchmischen und mindestens 15 Minuten ruhen lassen. Dieser Schritt ist entscheidend: Der Zucker entzieht dem Rhabarber Feuchtigkeit, die sich am Boden der Schüssel sammelt. Diesen Saft vor dem Belegen des Kuchens unbedingt abgießen – er würde den Teig von unten aufweichen. Der Rhabarber bleibt so mürbe, ohne dass der Boden durchnässt wird.
2. Streusel ansetzen – zuerst, nicht zuletzt
Die Streusel werden vor dem Teig zubereitet, damit sie Zeit haben, im Kühlschrank fest zu werden. Mehl, Zucker und eine Prise Zimt in eine Schüssel geben. Die kalte Butter in Würfeln dazugeben und alles mit den Fingerspitzen schnell zu groben Krümeln verreiben – die Butter darf dabei nicht schmelzen. Wer warme Hände hat, kühlt sie kurz unter kaltem Wasser ab und trocknet sie gründlich. Die Streusel sollen unregelmäßig bleiben: Manche Brösel sind erbsengroß, andere sind fein – genau diese Texturunterschiede machen die Oberfläche nach dem Backen so knusprig und abwechslungsreich. Schüssel abdecken und in den Kühlschrank stellen.
3. Backofen vorheizen und Form vorbereiten
Den Backofen auf 175 °C Ober-/Unterhitze vorheizen – keine Umluft, da diese die Oberfläche zu schnell austrocknet und die Streusel verbrennen können, bevor der Teig gar ist. Die Backform mit Backpapier auslegen und den Rand leicht buttern. Bei einer Springform reicht es, den Boden mit Papier auszulegen.
4. Buttermilch-Rührteig herstellen
Die weiche Butter mit dem Zucker mit dem Handrührgerät auf höchster Stufe mindestens 4–5 Minuten cremig aufschlagen – die Masse sollte deutlich heller werden und fast weißlich aussehen. Diese Arbeitszeit ist kein Detail, sondern eine Grundbedingung für Luftigkeit. Dann die Eier einzeln unterrühren, jeweils 30 Sekunden, bevor das nächste folgt. Den Vanilleextrakt einrühren. Mehl, Backpulver und Salz zusammen sieben – Sieben ist hier wichtig, damit sich das Backpulver gleichmäßig verteilt. Nun abwechselnd Mehlmischung und Buttermilch in drei Portionen auf niedriger Stufe unter die Butter-Eier-Masse rühren: Mehl – Buttermilch – Mehl – Buttermilch – Mehl. Der Teig ist fertig, wenn er glatt und leicht zähflüssig ist, vergleichbar mit einem dicken Joghurt.
5. Teig einfüllen und Rhabarber auflegen
Den Teig gleichmäßig in die vorbereitete Form streichen. Den abgetropften Rhabarber gleichmäßig auf dem Teig verteilen und leicht andrücken. Die Stücke dürfen ruhig dicht liegen – beim Backen gibt der Teig nach und umschließt den Rhabarber von unten. Wer besonders rote Rhabarbersorten verwendet, sieht nach dem Backen ein wunderschönes Rosa durch die Streusel schimmern.
6. Streusel aufbringen und backen
Die gekühlten Streusel aus dem Kühlschrank nehmen und sie mit den Händen locker über den gesamten Rhabarber-Belag krümeln. Keine Stelle freilassen – eine geschlossene Streuseldecke schützt den Rhabarber vor dem Austrocknen und sorgt für die typische goldbraune Kruste. Den Kuchen auf der mittleren Schiene 45–50 Minuten backen, bis die Streusel eine gleichmäßige goldbraune Farbe annehmen. Stäbchenprobe: Ein Holzstäbchen in der Mitte des Kuchens muss sauber herausgezogen werden können – bleibt feuchter Teig hängen, weitere 5 Minuten backen.
7. Auskühlen lassen – dieser Schritt duldet keine Abkürzung
Den Kuchen mindestens 30 Minuten in der Form auskühlen lassen, bevor er geschnitten wird. Direkt aus dem Ofen ist der Teig innen noch nicht vollständig fest – er zieht beim Abkühlen nach. Wer zu früh anschneidet, riskiert, dass der Rhabarbersaft ausläuft und der Teig einsinkt. Wer warten kann, wird mit einem Anschnitt belohnt, der die saftige Textur des Buttermilchteigs deutlich zeigt.
Der Profi-Tipp
Frühlingsrhabarber, der im April geerntet wird, ist von Natur aus zarter und säuerlicher als der Sommerschnitt. Wer den Kuchen weniger herb mag, kann den Rhabarber nach dem Vorziehen zusätzlich mit einem weiteren Esslöffel Zucker bestreuen. Ein weiterer Trick aus professionellen Backstuben: Ein Esslöffel Stärke unter die Streusel gemischt verhindert, dass diese beim Backen zu sehr zerlaufen – die Kanten bleiben schärfer und die Textur bleibt länger knusprig, auch wenn der Kuchen am nächsten Tag aus dem Kühlschrank kommt.
Servieren und Aufbewahren
Der Rhabarber-Streuselkuchen schmeckt lauwarm oder bei Zimmertemperatur am besten – eine Kugel Vanilleeis oder ein Löffel ungesüßte Sahne ergänzen die Säure des Rhabarbers ideal. Wer ihn vorbereiten möchte: Der Kuchen ist am zweiten Tag tatsächlich noch saftiger als am ersten, weil der Buttermilchteig die Aromen über Nacht aufnimmt.
Aufbewahrt wird er luftdicht verschlossen bei Zimmertemperatur bis zu zwei Tage oder im Kühlschrank bis zu drei Tage. Vor dem Servieren kurz bei 150 °C im Ofen aufwärmen – die Streusel werden dabei wieder knusprig. Einfrieren ist ebenfalls möglich: Portionen in Frischhaltefolie wickeln und bis zu zwei Monate einfrieren.
Varianten und Alternativen
Wer keinen Zugang zu frischem Rhabarber hat, kann tiefgekühlten Rhabarber verwenden – dieser wird unaufgetaut direkt auf den Teig gelegt und verlängert die Backzeit um etwa 8–10 Minuten. Für eine intensivere Streuselschicht die Streusel-Menge um ein Drittel erhöhen. Eine Variante für Fortgeschrittene: eine dünne Schicht Vanillecreme zwischen Teig und Rhabarber streichen – dafür 200 ml Milch, 2 EL Zucker, 1 EL Stärke und ein Eigelb zu einer glatten Creme kochen, abkühlen lassen und auftragen. Das macht den Kuchen noch üppiger und verwandelt ihn optisch in eine Konditoreibqualität.
Wer Buttermilch nicht zur Hand hat: 250 ml Vollmilch mit einem Esslöffel Zitronensaft verrühren und 10 Minuten stehen lassen – die Milch dickt leicht an und übernimmt die gleiche Funktion im Teig. Die Säure ist etwas milder, das Ergebnis bleibt dennoch deutlich saftiger als ein Teig ohne diesen Zusatz.
Häufige Fragen
Warum wird mein Rhabarber-Streuselkuchen in der Mitte nicht gar?
Der häufigste Grund ist ein zu hoher Feuchtigkeitsgehalt des Rhabarbers. Wenn der Rhabarber nicht ausreichend gezogen und abgetropft wurde, gibt er während des Backens zu viel Saft ab, der den Teig in der Mitte feucht und ungar hält. Den Rhabarber immer mindestens 15 Minuten mit Zucker ziehen lassen und den entstandenen Saft vollständig abgießen. Außerdem sicherstellen, dass der Ofen tatsächlich die angegebene Temperatur erreicht hat – ein zu kalter Ofen verlängert die Backzeit und führt dazu, dass die Streusel verbrennen, bevor der Teig durchgebacken ist.
Kann ich den Teig auch ohne Buttermilch zubereiten?
Technisch ja, geschmacklich und in der Textur verliert der Kuchen dabei aber seinen entscheidenden Vorteil. Buttermilch enthält Milchsäure, die den Teig zarter macht, das Backpulver aktiviert und dafür sorgt, dass der Kuchen länger feucht bleibt. Ein Ersatz aus Vollmilch und Zitronensaft (1 EL Saft auf 250 ml Milch, 10 Minuten stehen lassen) funktioniert gut. Naturjoghurt, auf 250 ml mit etwas Milch verdünnt, ist eine weitere zuverlässige Alternative.
Welche Rhabarbersorten eignen sich am besten für diesen Kuchen?
Rote Sorten wie „Holsteiner Blut“, „Frambozen Rood“ oder „Valentine“ sind besonders empfehlenswert: Sie sind von Natur aus milder und weniger sauer als grüne Sorten und behalten nach dem Backen eine attraktive rosa Farbe. Der Erntezeitpunkt spielt ebenfalls eine Rolle – Rhabarber, der im April und Mai geerntet wird, ist zarter und aromatischer als der Schnitt nach dem Johannistag (24. Juni). Wer grünen Rhabarber verwendet, kann die Zuckermenge im Belag leicht erhöhen, um die Säure auszugleichen.
Warum werden meine Streusel weich statt knusprig?
Weiche Streusel entstehen meist, wenn die Butter beim Verreiben zu warm war und die Streusel vor dem Backen nicht ausreichend gekühlt wurden. Immer mit kalter Butter arbeiten und die fertigen Streusel vor der Verwendung mindestens 15–20 Minuten in den Kühlschrank stellen. Ein weiterer Faktor: Zu viel Feuchtigkeit aus dem Rhabarber, die nach oben steigt, macht die Streusel von unten her weich. Das Vorziehen und Abtropfen des Rhabarbers ist daher auch für die Streusel entscheidend, nicht nur für den Teig.
Lässt sich der Kuchen gut vorbereiten?
Ja – der Rhabarber-Streuselkuchen mit Buttermilch eignet sich hervorragend zur Vorbereitung. Die Streusel können bis zu 24 Stunden im Voraus zubereitet und im Kühlschrank aufbewahrt werden. Den fertigen Kuchen am Vorabend backen und bei Zimmertemperatur aufbewahren – am nächsten Tag ist er durch die Buttermilch im Teig noch saftiger als frisch gebacken. Kurz vor dem Servieren bei 150 °C für 8–10 Minuten aufwärmen, damit die Streusel wieder ihre Knusprigkeit zurückgewinnen.



